Karl Rove - Mission gescheitert

 

George W. Bush hat während seiner Jahre im Weißen Haus schon viele wichtige Mitarbeiter verloren oder entlassen. Oft genug waren diese Abgänge auch ein Zeichen des politischen Niedergangs seiner Präsidentschaft.

 

Karl Rove, der ihn jetzt verlässt, war vielleicht der wichtigste Bush-Berater überhaupt, zumindest in den Fragen der Innenpolitik. Sein Ausscheiden ist aber zunächst einmal ein kalendarisches und kein politisches Signal.

 

In gut einem Jahr wird der nächste Präsident gewählt, und George W. Bush ist dann kein Kandidat mehr. Wenn sein bester Wahlkampfstratege und -organisator jetzt vorzeitig von Bord geht, dann ist das nur logisch und der Anfang vom offiziellen Ende der Ära Bush.

 

In der Republikanischen Partei nimmt das Rennen der Präsidentschaftskandidaten dieser Tage Fahrt auf. Für einen Karl Rove, der über viele Jahre Wählermehrheiten für Bush geschmiedet hat, gibt es nicht mehr viel zu tun. Dass der Präsident sich heute mehr für Außenpolitik und die eigene historische Bilanz interessieren muss als für die Umfragewerte seiner Partei, dürfte die Trennung erleichtert und beschleunigt haben.

 

George W. Bush hat dem unscheinbaren Strippenzieher viel zu verdanken. Rove verhalf Bush zum Einstieg in die Politik als Gouverneur von Texas, später zu den unerwarteten Siegen in den Präsidentschaftswahlen 2000 und 2004. Sein strategisches Geschick, sein Erfindungsreichtum und seine Skrupellosigkeit bei der Mobilisierung der Wählerbasis machten den Berater für die einen zum Genie, für die anderen zur verhassten grauen Eminenz der Bush-Jahre.

 

Anders als Bush war Rove aber immer auch Parteimann. Sein Ziel war die "permanent majority", die dauerhafte Befestigung einer strukturellen Mehrheit der Republikaner in den USA. Die Voraussetzungen dafür waren gut: Die dynamischsten Regionen des Landes, der Süden und der Westen, sind konservative Hochburgen; um Themen wie niedrige Steuern oder nationale Sicherheit lassen sich Bündnisse verschiedener Gruppen auf der Rechten bauen.

 

Dennoch ist Rove mit diesem Projekt gescheitert. Die Zukunft der Republikaner ist derzeit so ungewiss wie lange nicht, viele Konservative haben sich von Bushs Partei abgewandt. Die einen wegen des missratenen Irakkriegs, andere wegen rasant gestiegener Staatsausgaben, wieder andere wegen der liberalen Einwanderungspolitik oder wegen der zahlreichen Fälle von Korruption und Inkompetenz in der Führung.

 

Die vielleicht größte Hoffnung der Partei ist heute ihre alte Hassfigur Hillary Clinton. Als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten würde sie die Rechte fast von selbst mobilisieren. Für ein paar zusätzliche Tricks stände dann sicher auch Rove noch zur Verfügung.